Comenius-Projekt 2005/06: Sagen und Legenden

Eurolegends: german national legend

Mauritius-Gymnasium Büren, Germany

Die Heinzelmännchen-Sage

Eine Sage aus Köln (a legend from Cologne)

Anno 1836 widmete der Breslauer August Kopisch den Kölnern eines der schönsten Gedichte unserer Stadt. Es handelt von dem uralten Menschheitstraum, nicht mehr arbeiten zu müssen.
Wer von uns hat ihn nicht schon 1000-mal geträumt!
Kopisch selbst war zwar wohl nie in Köln und sein Gedicht ist wohl über tausend Umwege zu uns gekommen; aber dankbar wie wir Kölner nun einmal sind, haben wir ihm und ihnen 1899 an der Straße "Am Hof" ein Denkmal gesetzt, - nämlich August Kopisch und seinen Heinzelmännchen:
Am Rande erwähnt sei noch, dass es sich bei dieser Geschichte letztlich um eine herbe Kritik der Preußen an den in den Tag hinein lebenden Rheinländern handelt.

Aber wen stört das schon!

In 1836 the poet August Kopisch from Breslau made a wonderful poem about the town of Köln / Cologne.

The poem tells us about the old dream that we don’t have to work any more. The author has never been to Cologne but there is a monument at the street “Am Hof” showing the story of August Kopisch and his “Heinzelmännchen”.

Funny detail: Kopisch has written his poem as a critical satire on the mentality of the people living near the Rhine: Their love for easy-going and easy-living which the new “owners” of this region – the Prussians - didn’t like in the 19th century.

But who cares!

Die Heinzelmännchen von Köln

(the little men (brownies) = in German: die Heinzelmännchen)

The little men from Cologne

Wie war zu Köln es doch vordem
mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul, - man legte sich
hin auf die Bank und pflegte sich!
When these little men came to Cologne, everthing was very comfortable:
Whenever people were lazy, they could lie in their beds and sleep.
Da kamen bei Nacht,
eh` man`s gedacht,
die Männlein und schwärmten
und klappten und lärmten
und rupften und zupften
und hüpften und trabten
und putzten und schabten,
und eh` ein Faulpelz noch erwacht`,
war all sein Tagewerk bereits gemacht!
The men came at night before you could even think of it, and made some noise but they also made the people’s work and befor the lazy people woke up, the little men had done all work.
Die Zimmerleute streckten sich
hin auf die Spän` und reckten sich.
indessen kam die Geisterschar
und sah, was da zu zimmern war.
nahm Meißel und Beil
und die Säg` in Eil;
sie sägten und stachen
und hieben und brachen,
berappten und kappten,
visierten wie Falken
und setzten die Balken.
eh` sich`s der Zimmermann versah,
klapp, stand das ganze Haus
schon fertig da!
While the carpenters were stretching themselves on the shavings, the little men came and saw what they could do. And before the carpenters woke up, all the work had been done.
Beim Bäckermeister war nicht Not,
die Heinzelmännchen backten Brot.
die faulen Burschen legten sich,
die Heinzelmännchen regten sich;
und ächzten daher
mit den Säcken schwer!
und kneteten tüchtig
und wogen es richtig
und hoben und schoben
und fegten und backten
und klopften und hackten.
die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brot, das neue, vor!
At the baker’s shop everything was fine, too: The little men baked bread. While the lazy bakers were sleeping, the little men were busy. While the guys were still snoring like a choir, the new bread was already finished.
Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lagen in Ruh`.
indessen kamen die Männlein her
und hackten das Schwein
die kreuz und die quer`.
das ging so geschwind
wie die Mühl` im Wind!
die klappten mit Beilen,
die schnitzten an Speilen,
die spülten, die wühlten
und mengten und mischten
und stopften und wischten.
tat der Gesell die Augen auf,
wapp, hing die Wurst
da im Ausverkauf!
At the butcher’s shop it was the same: All the butchers were sleeping and the little men were working hard. And when the butchers woke up, all the meat was in the shop window.
Beim Schenken war es so: es trank
der Küfer, bis er niedersank.
am hohlen Fasse schlief er ein,
die Männlein sorgten um den Wein
und schwefelten fein alle Fässer ein -
und rollten und hoben
mit Winden und Kloben
und schwenkten und senkten
und gossen und pantschten
und mengten und manschten.
und eh` der Küfer noch erwacht`,
war schon der Wein
geschönt und fein gemacht!
At the wine shop, the sellers were so drunk that they fell asleep. But the little men made the wine and carried the wine casks. And before the wine sellers woke up, all the work had been done.
Einst hatt` ein Schneider große Pein,
der Staatsrock sollte fertig sein;
warf hin das Zeug und legte sich
hin auf das Ohr und pflegte sich.
Da schlüpften sie frisch an den Schneidertisch
und schnitten und rückten
und nähten und stickten
und fassten und passten
und strichen und guckten
und zupften und ruckten.
Und eh` mein Schneiderlein erwacht`:
war Bürgermeisters Rock
bereits gemacht!
Neugierig war des Schneiders Weib
und macht` sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht.
Die Heinzelmännchen kommen sacht;
eins fährt nun aus, schlägt hin im Haus,
die gleiten von Stufen und plumsen in Kufen,
die fallen mit Schallen,
die lärmen und schreien
und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
mit Licht: husch, husch, husch -
verschwinden all!
The tailor had to finish the gown, but he was sleeping. The little man came and made the gown and the other things, too. And before the tailor woke up, the work had been done and the gown was finished.
But his wife was curious. She threw peas on the floor and when the little men crept into the house they fell down the stairs and started to scream and shout. As the tailor's wife came with a light, they hurried away and never were seen again in Cologne.
O weh, nun sind sie alle fort
und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonst sich ruhn,
man muss nun alles selber tun!
Ein jeder muss fein
selbst fleißig sein
und kratzen und schaben
und rennen und traben
und schniegeln und biegeln
und klopfen und hacken
und kochen und backen.
Ach, dass es doch wie damals wär`!
Doch kommt die schöne Zeit
nicht wieder her!
Helas, now they were gone forever and everybody had to work again!

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