Der Teufel und die Externsteine

Quelle:www.roland-harder.de

Was ist es mit dem hangenden Block am Felsentor der Externsteine?
Es war der Teufel, der ihn in Teufelswut dahin schleuderte. Und das kam so:
Pflügt da vorzeiten ein Lipper Bauer auf seinem Acker. Ein schwerer Winter liegt hinter ihm. Die Scheuer ist im Brande zugrunde gegangen. Lange Wochen hat die Bäuerin in schwerem Fieber gelegen. Die Kinder stehen schwach und bleich in der ersten warmen Frühlingssonne; die Kühe, die ihnen sonst die gute Milch spendeten, sind einer Seuche erlegen.

Eine Weile hält der Bauer still, um das letzte, magere Pferd, das hm geblieben ist, bei der Arbeit ein wenig ausruhen zu lassen. „Wie werde ich nur meine Schulden zahlen können?“ denkt er sorgenvoll.

Da steht plötzlich ein Schatten vor ihm, wird dichter und schwärzer – ist dann ein Mensch und spricht die menschliche Sprache, die ihm sogar in reinstem Lipperplatt vom Munde fließt. „Das Elend sieht dir und deinem Kindern aus den Augen!“, So beginnt er seine listige Rede; „Dir ist nur zu helfen mit einem Beutel voller Goldstücke. Hier siehst du ihn. Schau hinein!“

Wie das gleißt und glänzt in dem Ledersäcklein! Lange starrt der Bauer auf das Geld. Ganz benommen wird ihm davon. Doch da streicht er sich mit der Hand über die feuchte Stirn; er besinnt sich und fragt den Schwarzen: „Was aber verlangst du für solche Geschenke? Du siehst nicht so aus, als ob du Mitleid und Liebe dich dazu bewegten.“ „Nun“, erwidert der Teufel, „umsonst hast du nur den Tod, und der kostet noch das Leben. Der Beutel ist für dich, für deine Frau und deine Kinder, wenn du mir dafür nur deine eigene Seele nach deinem Tode verschreibst.“ Damit stellt er den offenen Beutel vor den Bauern hin. Wie das wieder glitzert und leuchtet und lockt!

 

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Da kommt die Bäuerin. Einen Krug mit stärkendem Trunke für den Bauern hat sie in der Hand und in der Schürze trägt sie eine kleine Haferzehrung für das Pferd. Mit einem Blick erfasst sie, was hier gespielt wird; und das wieder merkt der Teufel. Schnell bequemt er sich zu neuem Angebot: „Ich werde euch hier noch ein Schloss bauen mit großem Teich. . .“ „Und das alles muss fertig sein vor dem ersten Hahnenschrei; der Beutel bleibt uns gleich zur Hand – “ so spricht kurz und schlüsslich die Bäuerin.

Der Bauer fügt sich der schon so oft erprobten Klugheit seiner Frau, der Teufel aber ruft höhnisch: „So soll alles geschehen!“ Er dreht sein Hütchen, stampft mit dem einen breiten Fuße und murmelt dunkle Worte.

Da rauscht es in den Lüften. Es schwirrt von allen Seiten herbei; im nahe Steinbruch wird es lebendig, Quadern und Blöcke werden dort gebrochen, und noch vor Abend ist der Schlosshof mit der Mauer umgrenzt. „Vor dem Hahnenschrei ist noch sehr viel zu tun!“ tröstet die Bäuerin den immer ängstlicher dreinschauenden Bauern, „lass mich nur machen!“

Sie geht in die Kammer zu ihren Kindern, die trotz allem Gelärme und Gesause ruhig schlafen, und betet über ihnen den Nachtsegen,
Das Schloss steht schon in den Grundmauern, als die Mitternacht vorüber ist.

Immer bleicher – es ist nun die erste Morgenstunde – lehnt der Bauer am Türpfosten. Er sieht, wie sich eine Heerschranke kleiner Gehörnter und Geschwänzter anschickt, den Teich zu graben.

Das erste Morgenlicht glüht zart im Osten auf. Die Bäuerin tritt aus der Kammer ihrer Kinder und geht leise zum Hühnerwiemen. Würdig sitzt der Hahn auf der vordersten Stange und ruht seine Kehle aus für den Morgenruf. Die Bäuerin lässt durch den Türspalt einen Schimmer des Frühlichts auf ihn fallen, und dann ahmt sie leise das behagliche Gackern der Hennen nach – das erhebt sich der Hahn mit lautem
„Kikerieki!“
Die Berge erdonnern! Im Sturm stieben die Teufel davon. Er aber, ihr Oberster, wirft den Eckstein, den er gerade herbeitrug, heulend an die Felsmauer. Das Schloss fast fertig, fällt dabei in Trümmern.
Die Brocken aber liegen da noch heute, wie auch der Teich noch da ist, der sich später mit dem Wasser der Berge gefüllt hat.

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